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„Wenn es um die Digitalisierung geht, betreten fast alle Manager Neuland“ – Tobias Ledermann, Mentor der Unternehmer-Schmiede, im Interview

Kaum ein Profil ist derzeit so gefragt wie das des Digital-Unternehmers – Fachkräften mit Digital-Know-how, unternehmerischem Denken und Erfahrungen aus verschiedenen Welten, der Startup-, aber auch der Konzernwelt. Doch dieses Profil ist auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden. Deshalb entwickelt die Unternehmer-Schmiede, das Joint Venture von etventure und Kienbaum, Digital-Unternehmer durch Coaching, Mentoring und Training on-the-job. Tobias Ledermann, Senior Projektmanager bei etventure, ist einer der Mentoren, die die angehenden Digital-Unternehmer begleiten. Im Interview erklärt er, wie das Mentorenprogramm abläuft und worauf es dabei ankommt.

Seit wann bist du Mentor und was zeichnet dich als solchen aus?

Ich bin seit November 2016 einer der Mentoren der Unternehmer-Schmiede und seit Herbst 2015 bei etventure. Davor hatte ich aber auch schon einige andere Stationen, habe beispielsweise schon selbst ein Startup gegründet, kenne aus meiner Zeit bei Siemens aber auch die Abläufe und Strukturen eines Großkonzerns. Es ist wichtig, dass ich als Mentor mit diesen verschiedenen Welten vertraut bin und um die Vorteile, aber auch Schwachstellen der verschiedenen Arbeitsweisen weiß. Denn nur so kann mein Mentee von meinen Erfahrungen und meinem Netzwerk profitieren.

Was ist das Ziel des Mentorings?

Beim Mentorenmodell geht es einerseits darum, die zukünftigen Digital-Unternehmer auszubilden, also Methoden wie zum Beispiel Lean Startup und Design Thinking zu vermitteln. Andererseits sollen – neben dem reinen Aufbau von Know-how – auch Soft Skills wie Führungsqualität und Kommunikationsstärke und ein „digitales Mindset“ entwickelt werden. Dazu gehören radikale Kundenorientierung, agiles Denken ohne Scheuklappen, Risikofreude statt Risikovermeidung. Das funktioniert nur, indem wir den Mentee auf ganz konkreten Projekten bei seiner täglichen Arbeit begleiten und als Coach und Sparrings-Partner zur Verfügung stehen. Das Ziel ist es letztlich, die Mentees zu Führungskräften zu entwickeln, die Digitalprojekte in ihren Unternehmen proaktiv vorantreiben können.

Wie sieht das Mentoring in der Praxis aus?

Das Mentoring startet immer mit einem ersten Kennenlernen und Assessment. Das heißt, wir schauen uns die Ausgangslage jedes Mentees individuell an und definieren Probleme und Ziele. Auf dieser Basis findet dann ein regelmäßiger Austausch statt. Das kann beispielsweise so festgelegt werden, dass man sich alle zwei Wochen trifft, um dann über konkrete Probleme in Projekten zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Diese Begleitung wird ergänzt durch Deepdive Sessions mit ausgewählten Experten, je nachdem welche Kompetenzen dem Mentee noch fehlen. Das können Workshops zu Innovationsmethoden oder Marketingtools sein, aber auch Kommunikations-Trainings. Natürlich kann nicht ein Mentor Experte in all diesen Bereichen sein. Deshalb kann die Unternehmer-Schmiede bei Bedarf auf das große Netzwerk von etventure und Kienbaum zurückgreifen.

Warum ist ein Mentor aus deiner Sicht empfehlenswert für Führungskräfte, die die digitale Transformation treiben?

Die Aufgabe der Digitalisierung ist für den Großteil der Manager völlig neu. Egal, wieviel Erfahrung man vielleicht schon gesammelt hat, mit dem digitalen Wandel betreten die meisten Neuland. Das erklärt ja auch, warum dieses Profil des Digital-Unternehmers, mit den entsprechenden Skills und Erfahrungen, am Markt kaum zu finden ist. Durch das Mentoring erhalten Manager eine neue Perspektive darauf, wie man konkrete Digitalprojekte angeht und Veränderungen im Unternehmen um- und durchsetzt. Und zwar nicht durch jemanden, der selbst die „Unternehmensbrille“ aufhat, sondern durch einen unabhängigen, erfahrenen Sparringspartner.

Wie sieht der klassische Mentee aus?

Den klassischen Mentee gibt es letztlich nicht, deshalb ist es auch so wichtig, dass das Mentoring individuell auf die Ausgangssituation des Mentees und seine Aufgaben im Unternehmen angepasst wird. Alle Mentees vereint aber, dass sie als Manager Verantwortung für die Umsetzung der digitalen Transformation haben und Digitalprojekte initiieren und steuern sollen. Alter und Erfahrungsschatz können dabei stark auseinandergehen. Einerseits haben auch Führungskräfte mit langjähriger Erfahrung Bedarf an neuen Impulsen und digitalem Know-how. Andererseits brauchen junge Digitalmanager Unterstützung dabei, wie sich digitales Mindset mit der Konzernorganisation verbinden lässt.

Was ist deine Motivation, dich als Mentor zu engagieren?

Generell macht es mir sehr viel Spaß, meine Erfahrungen und mein Wissen weiterzugeben. Außerdem profitiere auch ich als Mentor von diesem Austausch. Denn das Modell ist ja kein klassisches Ausbildungsprogramm, bei dem einer der Lehrer und der andere der Schüler ist. Auch die Mentees bringen sehr viel Wissen und Branchenerfahrung mit. Es geht um einen Austausch auf Augenhöhe. Als Mentor bekomme ich einen guten Einblick in die konkreten Digitalprojekte von Unternehmen, mit ihren alltäglichen Problemen und Hürden. Das sind Erfahrungen, die mir auch in meiner eigenen Arbeit im Projektmanagement bei etventure sehr weiterhelfen.

Lieber Tobias, vielen Dank für das Gespräch!


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